Vorbereitungsklasse
1. Allgemeines zur Vorbereitungsklasse
Im Schuljahr 2005/2006 wurde in der Grundschule Bonndorf die Vorbereitungsklasse (VKL) eingerichtet, die anfangs Förderklasse hieß. In diesem ersten Jahr wurde der Unterricht parallel zum 1. Schuljahr durchgeführt.
Die Konzeption änderte sich im Schuljahr 2006/2007: Es wird seitdem nicht mehr inhaltlich wie in Klasse 1 gearbeitet, sondern durch eine gezielte Förderung und alle Sinne umfassenden Lern- und Spielangebote sollen die Kinder zu einer verbesserten Bewältigung der Grundschule befähigt werden. Der spätere Schulbesuch wird hierbei sinnvoll vorbereitet.
Im Schuljahr 2007/2008 wurde der Name "Vorbereitungsklasse" ausgewählt. Die VKL ist eine Fördereinrichtung für schulpflichtige, aber noch nicht schulreife Kinder.
2. Aufgaben und Ziele der Einrichtung
Das Hauptanliegen der Vorbereitungsklasse besteht darin, Kindern, die aufgrund ihres Alters (bis 31.08. 6 Jahre alt) schulpflichtig, aber noch nicht grundschulfähig sind, durch gezielte Förderung und altersentsprechendes strukturiertes Lern- und Spielangebot in allen Wahrnehmungsbereichen zur Bewältigung der Grundschulanforderungen zu verhelfen. Dadurch wird der Start in die Schule wesentlich verbessert. Die Ursachen für die noch nicht ausreichende Schulreife können in Entwicklungsverzögerungen im kognitiven, körperlichen, motivationalen und sozialemotionalen Persönlichkeitsbereich liegen. In der VKL sollen diese Entwicklungsverzögerungen durch gezielte Angebote und freies Spiel aufgeholt werden, damit eine Aufnahme in die Grundschule nach einem Jahr möglich wird. Dem sozialen Lernen innerhalb der Gruppe kommt besondere Bedeutung zu. Das Kind soll darin unterstützt werden, ein positives Selbstkonzept zu entwickeln. Es soll sich im Schulalltag zurechtfinden und sich in der Gruppe wohl fühlen. Die Förderung der Schülerinnen und Schüler zielt auf die ganzheitliche Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit ab.
3. Grundsätze für die Arbeit
Die Vorbereitungsklasse versteht sich als Einrichtung, die vom Lernen durch Erfahrung und Nachahmung (Kindergarten) hinführt zu einem vermehrt abstrahierenden Lernen. Dabei werden die Kinder in einer individuellen Ansprüchen gerecht werdenden Lernumgebung gefördert.
Die Angebote erfolgen in der Gesamt- oder in Teilgruppen in handlungsorientierten, sowohl strukturierten als auch offenen Unterrichtsphasen. In der Vorbereitungsklasse wird das Konzept "Lernen mit Kopf, Herz und Hand" umgesetzt.
Die inhaltliche und organisatorische Planung berücksichtigt einen angemessenen Rhythmus von Spannungs- und Entspannungsphasen und auflockernden Bewegungszeiten zwischen den Angeboten. Da die ganzheitliche Förderung der Kinder im Vordergrund steht, können die nachfolgenden Bildungsbereiche nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Dabei sollte beachtet werden, dass soziales Lernen und individuelle Förderung gleichrangige pädagogische Aufgaben sind.
Bildungsbereiche
1. Förderung der mathematischen Lernvoraussetzungen:
mathematischer Mengen- und Zahlbegriff (noch keine abstrakten
Rechenoperationen)
Beispiele für Lernangebote:
- Reise ins Zahlenland: Zahlen von 1 bis 10 durch Lieder, Geschichten, Zahlenfrühstück etc. kennenlernen
- Schreibweise der Zahlen bis 10 einüben
- Simultanes Erkennen von Mengen-geordnet und ungeordnet
- Entwicklung von Ordinalzahl zu Kardinalzahlkonzept
- Menge, Zahlbild und Zahlwort bis 10 begreifen und damit spielerisch umgehen
- Aufteilen der Mengen bis 10 (Zahlinvarianz)
- Größen unterscheiden, anordnen und bestimmen
- Anordnung von Reihen logisch weiterdenken
2. Verbesserung der Sprachkompetenzen:
Kommunikations- und Sprechfähigkeit, Artikulation, Wortschatz, Satzstruktur,
phonetisch-akustische Differenzierung
Beispiele für Lernangebote:
- Gespräche zu verschiedenen Themen und Erlebnissen
- Geschichten, Bücher, Nacherzählungen
- Lieder und Singspiele
- Reime erkennen und finden
- Fingerspiele: Spielverse und Bewegungslieder für Finger und Hände
- Rollenspiele
- Spiele mit Sätzen und Wörtern
- Wörter in Silben zerlegen
- Laute unterscheiden, Lautbildungsübungen
- Reise ins Buchstabenland: Buchstaben durch Lieder, Geschichten etc. kennenlernen
- Einführung in die Synthese/erste Silben und Wörter lesen
3. Verbesserung der Feinmotorik und der Schreibmotorik:
Beherrschen der Auge-Hand-Koordination, richtige Stifthaltung
Beispiele für Lernangebote:
- Vielfältige Schwung- und Schreibübungen mit unterschiedlichen Materialien
- Basteln, Malen, Kleben, Schneiden, Kneten
4. Förderung der Wahrnehmung und der Denkfähigkeit:
Aktivierung der visuellen, auditiven, taktilen und sensitiven Wahrnehmung, handlungsorientiertes Lernen, Aufgabenverständnis, Beobachtungsgabe, Einfallsreichtum, Bilden von Kategorien, Finden von Regeln, Erfassen von Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, schlussfolgerndes Denken, logisches Denken
Beispiele für Lernangebote:
- Lerngänge
- Naturbeobachtungen
- Sinneserfahrungen
- Experimentiergelegenheiten mit unterschiedlichen Materialien
- Konzentrations- und Legespiele, Baumaterial
- Bilder- und Sachbücher
- Arbeitsblätter
- Fantasiereisen
- Verkehrserziehung
5. Förderung des motivationalen Bereichs:
Neugier, Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer, Ablenkbarkeit, Selbstständigkeit, Arbeitstempo, Selbstbewusstsein, zuhören können, Folgen (er)tragen, Frustrationstoleranz (im gesamten Schulalltag integriert)
6. Festigen des sozialen Verhaltens, Ausbildung des Selbstbildes und des
Selbstvertrauens:
Kontaktfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktverarbeitung, soziale Sensibilität, Hilfsbereitschaft, Umgang mit Regeln
Beispiele für Lernangebote:
- Konflikte besprechen, Lösungsmöglichkeiten erarbeiten
- Einführung der "Stopp-Regel"
- Geschichten, Bilderbücher zu sozialen Themen
- Gespräche
- Rollenspiele
7. Verbesserung der psychomotorischen Kompetenzen:
Förderung der gesamten Persönlichkeitsentwicklung durch erlebnisorientierte Bewegungsangebote zur Verbesserung der sinnlichen Wahrnehmung, spielerische Schulung sämtlicher motorischer Grundtätigkeiten, Erwerb konditioneller Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination), Förderung der Eigentätigkeit, Erweiterung der Handlungskompetenz und der Kommunikationsfähigkeit
Beispiele für Lernangebote:
- Spiellieder in Bewegung umsetzen
- Kindertänze
- Kleine Spiele
- Bewegungserfahrungen mit Kleingeräten (z.B. auch mit psychomotorischen Geräten wie Rollbretter, Schwungtuch)
- spielerischer Umgang mit Großgeräten (z.B. Bewegungslandschaften)
- Bewegungsgeschichten
- Entspannungsübungen
- Bewegen auf dem Pausenhof, Spielplatzbesuche
8. Förderung der Kreativität:
Weiterentwicklung der Fähigkeiten im selbstständigen und gestalterischen Handeln, Freude am eigenen Gestalten wecken/erhalten/steigern, Förderung der Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit sowie der manuellen Geschicklichkeit, Schulung der Beobachtungsgabe, Vorstellungen und Gefühle ausdrücken, Ausbildung der Feinmotorik, Entfaltung der Fantasie
Beispiele für Lernangebote:
- Vielfältiger Umgang mit Farben, Formen und Materialien: verschiedene Zeichen- und Malgeräte, Bau- und Bastelmaterialien
- Gestaltung von Einzelarbeiten sowie das gemeinsame Schaffen an einem Werk
9. Ganzheitliche Förderung im musischen Bereich:
Umgang mit Musik in spielerischer Form, Inhalte von Musik durch Bewegung verdeutlichen, Erweiterung der Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit, Experimentieren mit verschiedenen Instrumenten, Freude an musikalischer Tätigkeit wecken
Beispiele für Lernangebote:
- Singen
- Handelnder Umgang mit Musik: Darstellendes Spiel, szenisches Spiel mit Figuren und einfachen Requisiten, bildnerisches Gestalten
- Aktives Musikhören
- Klanggeschichten umsetzen
- Einfache rhythmische Begleitung
- Klanggestaltung mit Körperinstrumenten, selbst erfundenen Klangerzeugern, Instrumenten
- Lieder zum Tages- und Jahreslauf
- Spiellieder
- Bewegungs- und Tanzlieder
- Tierlieder
- Lieder aus der Märchen- und Fantasiewelt
10. Spielen und Spiel als eine Form aktiven Lernens:
Freude am Spiel erfahren, Körper- und Raumerfahrung, Wahrnehmungsschulung, Interaktion zwischen den Kindern, Entwicklung kooperativen Verhaltens, Förderung von Konzentration, Phasen der Spannung und Entspannung
Beispiele für Lernangebote:
- freies Spielen:
- Kind ist schöpferisch tätig: wählt sein Spielthema, bestimmt Ort, Dauer, Tätigkeit, Material, spielt alleine oder sucht sich Spielpartner
- strukturiertes Spiel:
- Pädagogin gibt den Spielplan vor, sie vermittelt Spiele, Spieltechniken und Spielregeln
4. Organisation der VKL
Aufnahmekriterien
Die VKL nimmt schulpflichtige Kinder (bis 31.08. 6 Jahre alt) auf, die vom Schulbesuch zurückgestellt wurden, von denen aber erwartet werden kann, dass die Grundschulfähigkeit durch eine gezielte Förderung nach einem Schuljahr erreicht werden kann.
Kinder, die nicht schulpflichtig sind, dürfen i.d.R. nicht aufgenommen werden, da die Einrichtung Defizit-orientiert und fördernd arbeitet und in erster Linie dafür da ist, mangelnde Grundschulfähigkeit zum Zeitpunkt der Schulpflicht aufzuarbeiten.
Das Einzugsgebiet ist die Stadt Bonndorf mit allen Ortsteilen.
Die VKL ist gebührenfrei.
Anwesenheitspflicht
Die Schülerinnen und Schüler der VKL sind mit der Anmeldung zum regelmäßigen und pünktlichen Schulbesuch verpflichtet. Bei Krankheit muss das Schulsekretariat vor Unterrichtsbeginn informiert werden.
Personal
In der VKL sind zwei Pädagoginnen tätig: Eine Grundschullehrerin sowie eine Erzieherin der Stadt Bonndorf. Dadurch kann in Form von Teilgruppenförderung unterrichtet werden.
Klassengröße
Die maximale Gruppengröße beträgt 18 Schülerinnen und Schüler
räumliche Unterbringung
Das Klassenzimmer der VKL befindet sich im Gebäude der Grundschule
Bonndorf.
Der neue Raum enthält verschiedene Bereiche (z.B. Bauecke, Leseecke,
Spielküche, Puppenhaus, Verkleidungsbereich, offene Regale mit Spiel- und
Konstruktionsmaterialien). Für die Gruppenarbeit wird die Mensa als
zusätzliche Räumlichkeit genutzt.
zeitliche Organisation/Stundenplangestaltung
Kernunterricht für alle Kinder: 8.10 Uhr bis 11.50 Uhr
Zusatzunterricht (freiwillig):
- Sprachförderung: 11.50 Uhr - 12.35 Uhr, einmal wöchentlich
- Vorlesestunde:
- Sportförder-AG: 14 Uhr - 15.30 Uhr, einmal vierzehntägig
Darüber hinaus können die Kinder der VKL von 7.25 Uhr bis 8.10 Uhr
betreut werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass sie an der
Mittagsbetreuung nach Unterrichtsende bis 14 Uhr (inklusive Mittagessen)
teilnehmen.
Die Klasse wird täglich in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe enthält Sprachförderung, die andere mathematische Frühförderung. Anschließend erfolgt ein Gruppenwechsel. Durch das Arbeiten in Teilgruppen kann individuell auf jedes einzelne Kind eingegangen werden.
Die Schülerinnen und Schüler werden 4 Wochenstunden im Fächerverbund "Bewegung, Spiel und Sport" unterrichtet.
Weitere unterrichtliche Schwerpunkte beziehen sich auf den Fächerverbund MeNuK.
In der VKL wird kein konfessioneller Religionsunterricht durchgeführt. Es werden soziale Werte und Kenntnisse vermittelt, die allgemeingültig sind, sich aber auch in der christlichen Grundeinstellung der Verfassung des Landes Baden-Württemberg bewegen. Die christlichen Feste St. Martin, Weihnachten und Ostern liegen im Themenreigen der VKL.
Es wird kein Englischunterricht vermittelt.
Den Kindern werden täglich Möglichkeiten für das Freispiel eingeräumt.
5. zusätzliche Förderung
Zusatztherapien wie Logopädie, Ergotherapie, heilpädagogische Therapie u. ä. können in der VKL nicht angeboten werden. Diese Angebote müssen von den Eltern selbst organisiert werden. Therapiezeiten sollten nach Möglichkeit in den Nachmittag verlegt werden, damit für die Kinder der Besuch der VKL uneingeschränkt regelmäßig gewährleistet wird.
6. Informationen über die Schülerinnen und Schüler
Neben den Elternabenden werden im zweiten Schulhalbjahr mit den Erziehungsberechtigten Einzelgespräche geführt, wobei sie über den Entwicklungsstand ihres Kindes informiert werden. Bei auftretenden Problemen suchen die Pädagoginnen auch außerhalb dieser Elterngespräche den Kontakt zu den Erziehungsberechtigten. Am Ende des Schuljahres wird von jedem Kind ein Schulbericht erstellt, der im Zeugnis abgeheftet wird.
Verantwortlichkeit
Die Leitung der VKL als Teil der Grundschule obliegt in rechtlicher Hinsicht dem Schulleiter der Grundschule Bonndorf. Die Leitung in pädagogischer Hinsicht sowie die Organisation der Einrichtung liegt in der Kompetenz der Klassenlehrerin der VKL sowie einer Erzieherin der Stadt Bonndorf, welche auch die Kooperation Grundschule-Kindergarten durchführt.